25 Jahre Baumberger Wanderfreunde
Vortrag von Hugo Sandmann zum 25-jährigen Vereinsjubiläum
25 Jahre Baumberger Wanderfreunde Nottuln
29. Oktober 2005

Liebe Wanderfreundinnen,
Liebe Wanderfreunde!

25 Jahre Baumberger Wanderfreunde Nottuln!

Eine lange Zeit; und doch wie im Fluge vergangen.

Die Anfänge und der DVV

Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts existierten im Münsterland, so auch in Dülmen bereits einige Wandervereine, die dem DVV, sprich „Deutschen Volkssportverband" angehörten. Auf deren Wanderveranstaltungen hatten einige Wanderbegeisterte Nottulner diese Art zu wandern auch für sich entdeckt. So entstand die Idee, auch in Nottuln einen Wanderverein zu gründen. So trafen sich bereits im Sommer 1980 eine Reihe Interessenten, diese Möglichkeiten auszuloten. Wenn ich mir auch vorgenommen habe, keine Namen zu nennen, so möchte ich eine Ausnahme machen: Werner Holz, er war wohl eindeutig der Motor dieser Bewegung.

Nicht für alle hier ist der DVV ein Begriff. Darum etwas zum Deutschen Volkssportverband:

Mitte der 60er Jahre standen im süddeutschen Raum die Volkssportveranstaltungen des Deutschen Leichtathletikverbandes in höchster Blüte. Diese Sportbewegung war u.a. von der Schweiz über die Grenze nach Bayern gekommen. Der DLV hatte diese neue Sportart in Klassen mit Sollzeiten eingeteilt. Also mehr oder weniger Schnellgehemdter Bewerbe. Von vielen konnte die Sollzeiten auch nicht erreicht werden. Unmut kam bei vielen Teilnehmern auf. Man vertrat die Meinung, dass die Klassen und Sollzeiten abgeschafft werden müssen, um der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, ohne Zeitdruck und gemeinsam mit Freunden, Bekannten, der Familie und den Kindern über eine bestimmte Strecke zu wandern.

So taten sich Anfang 1968 fünfzehn Vereinsvorstände aus Süddeutschland, der Nordschweiz und Liechtenstein zusammen und gründeten den IVV – „Internationalen Volkssportverband". Auf nationaler Ebene wurde dann im Frühjahr 1970 der DVV gegründet. In der Folgezeit gründeten sich dann auch die einzelnen Bezirksverbände.

Gründung der Baumberger Wanderfreunde

Nun wieder zurück zur Geschichte der Baumberger Wanderfreunde:

Die Idee der Gründung eines Wandervereins in Nottuln verdichtete sich immer mehr. Man fand Unterstützung beim Nachbarverein „Immerfit Dülmen", die bereits einige Jahre Erfahrung auf dem Wandern nach den Richtlinien des IVV/DVV gesammelt hatten.

So wurde nach den mir vorliegenden Unterlagen am 24. Oktober 1980 in der Gaststätte Denter in Nottuln von sieben Frauen und Männer der Wanderverein „Baumberger Wanderfreunde" gegründet. Es wurden kurzfristig 77 weitere Mitglieder aufgenommen.

Gewandert werden sollte nach den Richtlinien des DVV. Eine Hauptaufgabe war natürlich die Ausrichtung eines Volkswandertages in Nottuln. Da es aber in dem jungen Verein an finanziellen Mitteln und Erfahrung fehlte, erklärten sich die Wanderfreunde „Immerfit" zur großzügigen Unterstützung bereit. Dank deren Hilfe konnte im Jahr 1981 der erste Wandertag durchgeführt werden. Die Veranstaltung war sowohl von der Teilnehmerzahl, wie auch finanziell sehr erfolgreich. Der Grundstein für derartige weitere Veranstaltungen war gelegt. Mit den gesammelten Erfahrungen richtete man dann 1982 in eigener Regie den nächsten Wandertrag aus. Auch dieser war, wie die jährlichen Veranstaltungen bis Ende der 80er Jahre von großem Erfolg beschieden. Zwischen 1.900 und 2500 teilnehmende Wanderer war Standard. Wir Nottulner hatten uns im weiten Umland einen guten Ruf erworben. Unsere angebotenen Wanderstrecken waren reizvoll. Die Organisation und Verpflegung waren super.

Die Herausforderungen der Volkswandertage

Es war aber nicht alles Gold was glänzt. Die Wanderfreundinnen und Wanderfreunde unter euch, die damals bereits dabei waren erinnern sich noch, was es hieß so eine Veranstaltung erfolgreich durchzuführen. Wanderstrecken aussuchen und auszeichnen, so wie an den Wandertagen ständig kontrollieren. Kontroll- und Verpflegungsstellen an den Wanderstrecken einrichten. Die von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Sporthallen mit Tische und Sitzgelegenheiten einrichten. Küchen gab es dort ja nicht. Aber gut 2000 Wanderer wollten mit Essen und Getränke versorgt werden.

Was besonders unsere Frauen unter den provisorischen Umständen dort geleistet haben, ist schier unvorstellbar. Freitags abends die Halle einrichten. Dann samstags und sonntags von morgens 5-6.00 Uhr bis zum späten Nachmittag Brötchen schmieren, Getränke ausgeben, Gäste bedienen, Geschirr spülen und sanitären Anlagen in Ordnung halten. Dann nach Hause und Kuchen backen für den nächsten Tag. Sonntags abends musste die Halle wieder gesäubert und ausgeräumt werden, da dort ja montags wieder Schulsport stattfand. Es war von allen Beteiligten schon eine gewaltige Leistung, und das alles unentgeltlich, für ein Dankeschön, alles für unseren Wanderverein.

So mancher, der noch nicht so lange dabei ist hat sich gefragt, wo kommt eigentlich das Vereinsvermögen her, bei den heute noch niedrigen Mitgliedsbeiträgen? - Jetzt wisst ihr es. Es wurde in dieser Zeit von den Mitgliedern erwirtschaftet.

Auch die Organisation erforderte einen großen Aufwand. Verkehr regeln, Startgelder kassieren, Kontrollstempel erteilen, Wanderungen kontrollieren und in die Teilnehmerhefte eintragen, Medalien ausgeben, all das musste streng nach den Regeln des DVV erfolgen.

Es wurde natürlich auch gewandert. Einmal im Monat gab es eine Halbtagswanderung für Jedermann. Wer Zeit und Lust hatte, besuchte Volkswandertage anderer Vereine in der näheren und weiteren Umgebung. Als gesellige Veranstaltungen für die Mitglieder sind in der Zeit die jährlichen Maiwanderungen und Nikolauswanderungen und die monatlichen Stammtische zu nennen.

Wende und Neuausrichtung

Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre ließ das Volkswandern nach den Regeln des IVV/DVV nicht nur in Nottuln, sondern allgemein wieder nach. De Nielaot was drauf! Die Teilnehmerzahlen schrumpften. Vereine die früher 7000 und mehr Teilnehmer bei ihren Veranstaltungen hatten sind heute stolz, wenn heute 1.500 Wanderer kommen.

So auch in Nottuln. Die Schere Aufwand – Erlös klaffte immer weiter auseinander. Auch unsere Mitglieder wurden immer älter. Für den Vorstand wurde es immer schwieriger, genügend Helfer zu finden.

Hinzu kam, dass der DVV auch immer älter wurde. Wie in jeder Organisation bedeutete es auch hier: Immer mehr neue Regeln und Bestimmungen. Für die Vorstände der Vereine wurde es immer schwieriger, einen Wandertag erfolgreich zu organisieren. So blieben auch Meinungsverschiedenheiten zwischen unserm Vorstand und dem Verband nicht aus.

Unsere letzten Veranstaltungen konnten wir fast ohne Marge, plus minus null abschließen. – Und dieses bei dem enormen persönlichen Einsatz unserer Mitglieder. So regte sich im Vorstand der Gedanke, den Verein auf eine andere Grundlage zu stellen. Im Vorstand, aber auch mit einem Teil der Mitglieder wurde immer wieder diskutiert. Man kam zu dem Entschluss, die Mitgliedschaft im DVV aufzugeben.

Auf der ordentlichen Jahreshauptversammlung am 29.11.1991 wurde, nach heftigen und kontrovers geführten Debatten über den Austritt oder Verbleib im DVV abgestimmt. Mit einer denkbar knappen Mehrheit entschieden sich die Mitglieder für den Austritt aus dem Verband zum 31. Dezember 1991.

Der Vorstand hatte gute Vorarbeit geleistet. Er stellte eine veränderte Vereinssatzung und ein schlüssiges Konzept für die Zukunft der „Baumberger Wanderfreunde" vor. In der Satzung ist nun folgendes Vereinsziel verankert:

Aufgabe des Vereins ist es, den Volkssport zu fördern.
Unter Förderung des Volkssports wird die Anregung gegenüber der breiten Bevölkerung zu ungezwungener sportlicher Betätigung verstanden, um dadurch, ohne Leistungssport zu treiben, allen die Möglichkeit und Voraussetzung für natürliche Bewegung zu verschaffen.

Wenn in der Vergangenheit die Hauptaufgabe des Vereins in der Durchführung des jährlichen Wandertages gesehen wurde, sollten künftig mehr Veranstaltungen für die Mitglieder, für die wanderfreudigen Bürger Nottulns und der Baumbergeregion organisiert werden.

Neue Angebote ab 1992

Ab dem Jahr 1992 organisieren die Baumberger Wanderfreunde zu den bisherigen monatlichen Halbtagswanderungen ca. 8 Tageswanderungen, und das bis heute mit stetig steigenden Teilnehmerzahlen.

Bereits seit Herbst 1990 hatten wir das bis heute erfolgreiche, monatliche Wandern für die Senioren in unser Jahresprogramm aufgenommen.

Einigen Mitgliedern viel im Laufe der Jahre das Wandern zu Fuß schwer. Darum lag nahe, auch das Radwandern als festen Bestandteil des Jahresprogramms werden zu lassen. Die Teilnehmerzahlen bei den monatlichen Halbtagsradwanderungen, die vom Frühjahr bis Herbst veranstaltet werden, sprechen für sich. Dazu kommen in den Sommermonaten noch einige Ganztags-Radwanderungen.

Die Beliebtheit der seit Anfang der 90er Jahre durchgeführten, jährlichen Wochenendwanderungen sprechen für sich. Man hat hier die Möglichkeit, entferntere Regionen zu erkunden. Auch fördern diese Wandertouren den Zusammenhalt der Mitglieder. Vielen geht es wie mir, die Wanderungen im Emsland, in der Lüneburger Heide, in der Rhön, im Rheinhardswald, im Pfälzerwald, in Rheinhessen, an der Mosel, im Weserbergland, im Rothaargebirge und in Berlin sind bleibende Erinnerungen. Ein Wanderwochenende hat sich bei mir wohl unvergesslich und als einmalig eingeprägt: Bald nach der Wende in Lindow in der Mark Brandenburg.

Zur Geselligkeit und zum Zusammenhalt im Verein tragen natürlich auch die Maiwanderungen und Nikolauswanderungen bei.

Im Überblick dürfen natürlich auch unsere gelungenen Vereinsfeiern zum zehn und zwanzigjährigen Bestehen nicht fehlen.

Dieter Multhau erwähnte in seiner Begrüßungsrede die Bedeutung des Ehrenamtes. Bei den „Baumberger Wanderfreunden" wird natürlich wie eh und je das „Ehrenamt" großgeschrieben. Zu allen Zeiten hat der Vorstand seine Aufgaben unentgeltlich erledigt. Auch die vielen Helfer haben immer wieder für ein Dankeschön so manche Aufgabe für die Gemeinschaft übernommen. Nur so war und ist es möglich, den Verein nicht nur zu erhalten, sondern stetig wachsen und blühen zu lassen. Die heutigen Mitgliederzahlen belegen es sehr deutlich.

Über das Wandern

Liebe Wanderfreundinnen, liebe Wanderfreunde!

Anlässlich unseres 20-jährigen Vereinsjubiläums habe ich mich mit dem Wandern als solches auseinander gesetzt. Ich will mich jetzt nicht wiederholen. Nur diese Gedanken nehmt mit:

Das Wandern, das Gehen überhaupt ist die natürliche Art menschlicher Fortbewegung. Wir Menschen sind darauf konstruiert. Unsere Sinne bewältigen nur diese Art der Fortbewegung. Nur beim Gehen sind wir fähig, unsere Umwelt mit den Sinnen aufzunehmen, sie zu begreifen.

Im Rausch der Geschwindigkeit mit Auto oder Flugzeug durchstreift oder überfliegt man Länder und Kontinente. Sie bleiben einem auf seltsame Weise fremd. Wie anders beim Wandern. Weg und Wanderer werden eins. Sie wachsen zusammen. Die Spannung zwischen Nähe und Weite zwischen dem Menschen und der Erde wird wiedergeboren. Der Wanderer beginnt wieder aus seiner Nähe die Weite zu begreifen.

Nicht besonders davon zu reden, dass Wandern gesund ist; Wandern ist unstreitbar gesund. Wandern als Bewegungstherapie betreiben kann fast jeder. Das Alter spielt kaum eine Rolle. Auch der angeschlagene Mittvierziger, der stressgeplagte Fünfziger, der vom Alltag ausgelaugte Rentner kann hiermit seinem Alter angepasste Fitness wiedergewinnen. Selbst wer einen Herzinfarkt überstanden hat, der kann sich wieder zum ausdauernden, leistungsfähigen Wanderer trainieren. Das berühmteste Beispiel hierfür war der Sänger Rudolf Schock.

Liebe Wanderfreundinnen, liebe Wanderfreunde, Kann es was Besseres, Gesunderes, Schöneres geben, als was uns verbindet, unser Hobby: Das Wandern? – Ich glaube kaum.

Bevor ich nun schließe, möchte ich doch Danke sagen, und zwar alle denen, die sich soviel Mühe gemacht haben, unserem Vereinsjubiläum einen so wunderschönen Rahmen zu geben. Danken wir es den Organisatoren dadurch, dass wir miteinander einige frohe, gemütliche, harmonische Stunden verbringen.

Danke für eure Aufmerksamkeit!

Hugo Sandmann

29. Oktober 2005